Ist ganze zwanzig jahre her, dass ihr euch das letzte mal gesehen habt - damals, unter der Brücke am Fluss in Stirling (manchmal fühlt's sich dennoch wie gestern an). Seitdem hat sich viel verändert: seid keine fünfzehn mehr, nicht mehr jung und dumm und verliebt.

            Jetzt seid ihr erwachsen und tragt beide ordentlich Ballast mit euch rum. Habt eure Probleme und Fehler, seid beide unglücklich, aber irgendwie raus aus dem Trott, naja, wo soll man da nur anfangen? Etwa noch mal so ganz neu?

Ist natürlich Schwachsinn und auch nicht möglich; kann halt keiner von euch einfach so die Zeit zurück drehen. Könnt auch nicht tun, als würde da nicht ein riesiges Loch zwischen euch stehen, was alles verschluckt. Oder als wär die Vergangenheit - das Jahr in Stirling, die zwanzig Jahre danach - nie passiert. Was das damals überhaupt war, naja, das könnt ihr beide nicht so recht beschreiben. Wart irgendwie beste Freunde, ziemlich überstürzt. Hast Elliot gerettet und er dich, vor Einsamkeit - du hast ihm gezeigt, wie man zurück schlägt, wenn einem einer dumm kommt und er hat dir gezeigt, wie es ist, wenn sich mal wirklich jemand für dich interessiert, sich um dich sorgt, dich in den Arm nimmt, wenn's dir schlecht geht. Ach ja, deine beschissene Kindheit und die ganzen Issues, die du mit deinem Vater hast, die willst du jetzt echt nicht auskramen. Hat dir gereicht, das einmal durchzuleben und bist seitdem vor allem weg gerannt: deiner Zukunft, deinem Potenzial, von Nähe und Geborgenheit, weil du denkst, das hast du nicht verdient. Warst lange auf Sinn-Suche (hast hauptsächlich 'nen Haufen Tattoo-Studios, seedy gay Clubs und noch mehr Prügeleien gefunden aber hey, immerhin) und bist irgendwann bei der Polizei gelandet. Wohnst in Manchester, einfach weil's hier 'nen Job gab und du eh keine Heimat hast, in die es dich zieht.

Und dann ist da Elliot. Mal wieder. Ist Zufall, dass ihr nun beide in Manchester wohnt - so wie es der Zufall war, der euch damals in Stirling zusammen geführt hat. Wärst du selber auch nur 'nen Stück gläubig, würdest du vielleicht von göttlicher Fügung reden. Erkennst ihn sofort, als er vor dir steht - in Kollarhemd, mit dem gleichen Blick wie damals. Fühlst dich 'nen Moment so, als wärst du wieder 15 und das erste (einzige) Mal so richtig krass verliebt. Vergisst' für 'nen Moment, warum du eigentlich da bist - ach ja, wegen nem Fall, irgendeiner Zeugenbefragung, hast 'nen Mord aufzuklären aber puh, musst zugeben, ist dann irgendwie nebensächlich und ehrlich gesagt deine Kompetenz auf dem Tiefpunkt. Ist komisch, weil so viel zwischen euch steht nach zwanzig Jahren. Seid beide nicht mehr die, die ihr mal wart. Ist unwirklich, dass du ihm trotzdem noch blind vertraust und noch viel verrückter, dass er deinen ganzen Bullshit sofort durchschaut. Ach fuck, ist der einzige, der dir glaubst, als dir plötzlich vorgeworfen wird, du hättest Drogen aus der Asservaten-Kammer geklaut und 'nem Verdächtigen untergejubelt. Und plötzlich fühlt sich's trotz allem wieder so an als wär's ELLIOT UND JOSHUA GEGEN DIE WELT.

joshua keirr , gesucht
Puh, was sollst du sagen - bist 'nen Arschloch, bist kackdreist und steckst deine Nase dahin, wo sie nicht hingehört; aber zumindest weißt du's auch. Mensch, macht dich sogar zu nem semi-guten Ermittler. Ja, gut - müsstest vielleicht mal 'nen paar Regeln einhalten, auch mal den Papierkram machen und huch, die Kamera im Verhörraum mal auf den Wackelkontakt prüfen - dann hättest du vielleicht sogar Potenzial zu nem guten Polizist. So bist du eher bisschen shitty; nicht, weil du keine Fälle klären kannst sondern weil's manchmal vielleicht doch ein bisschen fragwürdig ist, wie du da hin kommst. Aber Schwamm drüber, am Ende hat die Gerechtigkeit gesiegt. Darum geht's doch immerhin, oder?

Harte Schale, härterer Kern - sagst du gern und grinst dabei, klaust deiner Kollegin den Kaffee und das Sandwich gleich dazu; deine Kopie zu den Vorschriften zur Dienstkleidung hast du nach gefühlt 'ner halben Sekunde im Müllkorb versenkt (drei mal schon, warum kriegst du die eig. ständig neu?) und hast mal wieder 'ne Dienstaufsichtsbeschwerde am Hals, weil du ständig Kollegen den Mittelfinger zeigst und "Halt doch die Fresse" sagst, charmant. Würdest einige deiner Kollegen doch zähneknirschend als Freunde bezeichnen, hauptsächlich weil dein Sozialleben außerhalb der Arbeit verdammt mau aussieht: dein Vater hat schon vor Jahren endlich ins Gras gebissen, mit deiner Mutter redest du kaum und dein Liebesleben beschränkt sich auf One Night Stands und Club-Abenteuer, deren Namen du dir nie merkst - willst eh' keinen von ihnen wieder sehen, weil du sicher nicht beziehungsfähig bist. Trägst ganz schön was als Gepäck mit dir rum - Geheimnisse, Schuld, Trauma - und sagst dir, hast eh kein Bock auf die meisten Leute, machst lieber einen auf asozial als irgendwie daran zu arbeiten, deine Vergangenheit aufzuarbeiten. Verbittert könnte man dich nennen, aber hey, bist nur nen Realist - Leben ist scheiße und du nicht für diese Gefühlsduselei gemacht und hey, das blaue Auge hast du auch verdienst. Hast bestimmt als erster zugeschlagen.
35 Jahre | Polizist | Daniel Sträßer
elliot calhoun , sucht
Elliot war schon damals 'nen Riesen Nerd und du weißt bis heute nicht, was dich da eigentlich geritten hat. Der brave, ruhige aus eurer Klasse - genau so ein Außenseiter wie du, weil er zwar kontaktfreudig und freundlich war, aber ebenso Sohn eines Berufssoldaten, der alle paar Jahre die ganze Familie durchs Land zerrt. Und dann sein ganzes Kirchen-Gedöns, versteht keiner warum Elliot das freiwillig macht und scheinbar genauso Freude an Bibel lesen und Kirchenchor hat, wie an Fußball. Verstehst du auch nicht, aber Elliot will niemanden bekehren und deshalb stört's dich auch nicht - ist vielleicht sogar ganz cute, wenn er ohne groß Luft zu holen nen Monolog über so'n dude hält, der vom Wal gefressen und wieder ausgespuckt wird oder über den Typ, der ständig Briefe schreibt wie jemand mit Liebeskummer in ner Romanze (schreibst ihm vielleicht auch mal 'nen Brief). – Ist dein bester Freund und dann bist du in ihn verliebt und klar, weißt von seinen Plänen, Priester zu werden aber hast noch nicht gecheckt, was das bedeuten würde. Spielt dann eh keine Rolle mehr. Weil Elliot's Familie mal wieder umzieht und nachdem dein Vater euch erwischt hat, wie ihr euch küsst - naja, von der Tracht Prügel spürst du sehr lange noch was und zweifelst nicht an den Drohungen, die er dir macht, solltest du Elliot noch mal kontaktieren, ihn auch nur ansehen und so verabschiedet ihr euch nicht mal.

Manchmal googelst du dann seinen Namen, Jahre später. Bist volljährig, lebst dein eigenes Leben und willst wissen, was er macht. Findest wenig, weil Elliot kein social media hat. Siehst ihn auf 'ner Website von ner Dorfgemeinde, weil er da im Chor singt und dies und das macht und dann gibt's nen Beitrag, weil die Gemeinde so stolz ist, dass "ihr" Elliot zum Priester wird. Dann lange nichts. Findest online das Datum seiner Priesterweihe, weil so'n shit zum Glück öffentlich auf der Website der Kirche ist und überlegst, hinzugehen aber was sollt das bringen? Beobachtest, wie er da hinein wächst - ließt die Newsletter seiner Gemeinde in Bury und denkst, fuck, der ist glücklich. Was sollst du dich da einmischen? Hörst dann endlich auf mit deinem kranken Online-Stalking, weil's dich nur noch unglücklicher macht. – Das meanwhile Elliot durch seine persönliche Hölle als Militärspfarrer geht, und alles andere als glücklich zurück kommt, bekommst du nicht mit. Ist nach einigen Jahren Auslandseinsätze mit der Army wieder auf Heimatboden aber hat nen Stück von sich zurück gelassen, in der Wüste. Ist desillusioniert und weiß nicht mehr, wo sein Leben noch hin gehen soll und wow, bist du jetzt der, der sein Leben besser im Griff hat? Fragwürdig.

35 Jahre | Priester | Vladimir Burlakov
Hier platzt die Vergangenheit ganz ungebeten in die Gegenwart der beiden Männer und man, als hätten sie nicht schon genug Probleme. Bisschen shitty vielleicht, sich gegenseitig nun als "noch nen Problem" zu bezeichnen aber ist wie es ist. Was es nicht ist, ist auf jeden Fall einfach. –

Wie vielleicht schon deutlich ist, suche ich Elliot's erste liebe und ganz ehrlich auch seine letzte. Natürlich dumm, nach nur bisschen küssen so lange an jemandem festzuhalten aber war schon mehr als das, irgendwie. Hatte Elliot keine Worte für damals und heute auch nicht, außer das Joshua ihm schon immer viel bedeutet hat. – Jetzt treffen sie wieder aufeinander und es ist nicht mehr Joshua's homophober und gewalttätiger Vater, der ihnen im Weg steht sondern sie selbst - und natürlich Elliot's Job, der jegliche Hoffnung eigentlich zunichte macht. Eigentlich dabei jedoch das Schlüsselwort weil uff, ist schon was besonderes zwischen ihnen.

Die Infos zu Joshua sind hauptsächlich als Anregung gedacht bzw. sollen ein bisschen den vibe verdeutlichen, nach dem ich suche - er muss keineswegs ein Polizist sein und kann natürlich auch ganz anders heißen, aber es wäre schön, wenn er sich alterstechnisch nur minimal von Elliot unterscheidet. Das Faceclaim wäre traumhaft (#spatort for the win), aber am Ende kein dealbreaker! Wie Joshua's Leben so gelaufen ist, ist natürlich dir überlassen - wichtig ist nur das gemeinsame Jahr in Stirling als sie so ca. 15 Jahre alt waren. Über alles andere können wir einfach gemeinsam reden! cheers & sorry für den Roman!